Klassenmeisterschaft der 10m²-Rennjollen auf dem Wolfagangsee

15. - 16.09.2012

Ein völlig subjektiver Erlebnisbericht von A. Vlasaty

Am 14.9.2012 finden sich bereits die 5 gemeldeten 10qm Rennjollen gemeinsam mit einigen O-Jollen auf dem Gelände des Union Yacht Club am Wolfgangsee in St.Gilgen ein. Mit dabei diesmal "SABU" N2, "BALUMG" N 40, "HEIDERL" N 44, "CIRCE" N 138 und "SEETEUFEL" N 430.

Ein gemütliches Beisammensein am Vorabend des ersten Regattatages bringt nette Unterhaltungen mit regem Informationsaustausch, auch mit den O-Jollen Seglern, die mitunter aus fernen Revieren angereist sind, um die ÖKM und das Goldenen O auszusegeln.

Das Wetter ist kühl und regnerisch - dennoch verspricht man sich für die kommenden Tage ein Aufklaren des Himmels. Über Windmangel, kann man den Einheimischen entnehmen, brauche mach sich keine Gedanken machen. Gegen 13:00 setzt sich an sonnigen Tagen stets der thermische "Brunnwind" durch und der bläst mitunter auch ganz kräftig.

Samstag der 15.September 2012

Nach einer herzlichen Begrüßung gehen wir nach den O-Jollen an den Start zu ersten Wettfahrt bei Wind um die 3 Bft.

Für SEETEUFEL mit dem 9jährigen Felix an der Vorschot ist das schon eine rechte Herausforderung. Aber auch Alfred, sein Steuermann, führt bereits vor dem Start spektakuläre Halse-Manöver vor, die eine akrobatische Begabung bei ihm vermuten lassen. SABU ist vorerst die große Unbekannte im Feld, wobei hier nicht das Schiff gemeint ist, sondern eher die Mannschaft. Denn erstmals wird sie vom Eigner Rikolt und seinem nicht minder erfahrenen Vorschoter Georg gesegelt. Beide geübte Sonderklassensegler mit Stammrevier Wolfgangsee. Sicherlich sind auch Judith und ich mit BALMUNG bei den Buchmachern nicht unbedingt als Außenseiter gesetzt, aber der Wolfgangsee hat schon seine
Besonderheiten, die erstmals erfahren werden müssen.

"HEIDERL", für Überraschungen immer gut, muss leider zunächst auf ihren neuen Segelsatz verzichten, da dieser noch nicht ganz sitzt. Seine neue "Vorschoter Muse", Bibi, tritt in die Fußstapfen von Horst, der fortan in der O-Jolle "die Vorschot führt" - jedenfalls Leinen hat er dort genug. Auch hat man das Gefühl, dass Herbert vom Wiener Yachtclub sich erst an das neue Revier und die Situation herantasten möchte und daher die Sache etwas verhaltener angeht.

Im Genick aller sitzt "CIRCE" - denn mit interner Klassenyardstick von 130 stampft die zierliche alte Dame von 1925 zwar stets dem Feld hinterher, aber eben solide gesteuert von Matthias aus Berlin , der von seinem Heimatrevier Havel und Wannsee Starkwind und extreme Winddrehungen bis zum Abwinken kennt. So gesehen muss immer damit gerechnet werden, dass das Wettfahrtergebnis noch gehörig durchgemischt wird. Unterstützung erhält Matthias von Thomas, der nicht nur zehnerfest ist, sondern auch den Wolfgangsee schon ganz gut kennt.

Zu einem Abtasten zwischen SABU und BALMUNG kommt es erst gar nicht. Beide Teams gehen vom ersten Startschuss an gnadenlos auf einander los und lassen einander nicht aus den Augen. Im Zieldurchgang liegen die beiden lediglich 37 Sekunden auseinander, wobei SABU mit einer alten Genua arbeitet, die nicht mehr so recht ziehen will. CIRCE macht mit ihrem Schrecken wahr und stemmt sich nach Handicap tatsächlich noch in das kleine Zeitfenster der Beiden, womit sie sich den 2.Platz vorerst sichert.

HEIDERL ist etwas abgeschlagen und für SEETEUFEL ist es dann doch die richtige Entscheidung, bei den aufkommenden 4er Böen den sicheren Hafen anzulaufen, was den Respekt unter Seglern in keine Weise schmälert - im Gegenteil - "better safe than sorry".

Bei der 2ten Wettfahrt gehen SABU und BALMUNG dicht nebeneinander Bug an Bug im Kampfmodus über die Linie. SABU kann die "sichere Leeposition" bei BALMUNG mangels einer guten Genua nicht ausspielen und wird nach mehreren Angriffsversuchen von BALMUNG letztlich überlaufen. Der Anliegerkurs auf dem sich beide Boote zu dieser Zeit befinden zwingt SABU in der "Maschine" von BALMUNG bis zur Luvtonne zu verharren. Bei der 2ten Kreuz kommt ein gewagter, wenn auch brillanter Angriff von SABU, indem sie mit vollem Risiko einen Extremschlag vorbei an der Falkensteinwand zum Hochzeitskreuz setzte und von dort auch mit Wind einen Anlieger zur Luvtonne herstellen kann.

Balmung ist zwar näher zur Bahnmarke aber deutlich tiefer, sodass zwei weitere Wenden unumgänglich scheinen. Eine extreme Winddrehung entscheidet in diesem Augenblick über das Schicksal der beiden Kontrahenten, sodass BALMUNG plötzlich, ohne wenden zu müssen, so hoch gehen kann, dass er direkt Kurs auf die Boje bekommt und um Haaresbreite vor SABU herumgehen kann. Wieder sind es nur 32 Sekunden, die BALMUNG früher über die Ziellinie geht. CIRCE kann diesmal nicht eingreifen. HEIDERL bricht eine Segellatte und ist somit auf chancenloser Position.

Bei der 3ten Wettfahrt gehen sich SABU und BALMUNG ein wenig aus dem Weg und jeder fährt offenbar seine Linie. BALMUNG erwischt ein paar Windstriche besser und gewinnt auch diese Wettfahrt an diesem Regattatag. CIRCE kann wieder nach Handicap an SABU vorbeigehen und sichert sich zunächst den 2. Rang im Zwischenklassement, gefolgt von SABU, HEIDERL und SEETEUFEL.

Wieder im Hafen, werden wir mit Freibier und einem reichhaltigen Segleressen bewirtet. Die Küche ist einmalig, die Stimmung unter den Seglern, wie üblich, hervorragend. Nach dem Essen machen wir uns an die anstehenden Verbesserungen für den Folgetag. HEIDERL bekommt eine neue Segellatte und SABU erhält die Ersatzgenua von BALMUNG - das sollte Abhilfe schaffen. SEETEUFEL , der heuer 80 Jahre alt wurde, ist wieder voller Tatendrang für Kommendes und so geht der Tag mit vielen neuen Eindrücken im Kopf eines jeden Seglers zu Ende.

Sonntag der 15.September 2012

Die Sonne hat sich durchgesetzt. Heimlich wird SEETEUFEL zum Geburtstag mit der Flaggenparade von den übrigen Zehnerseglern geschmückt und auf dem Vorplatz zum Clubhaus präsentiert. Ein schöner Anblick. Die Überraschung gelingt, und Alfred lädt nach der Regatta die Segler zu einem Umtrunk ein, bei dem auf SEETEUFEL die Gläser erhoben werden.

Noch schnell die diesjährige Generalversammlung abgehalten  -alles in Ordnung - wir müssen nicht unter den Rettungsschirm und unser Anlagevermögen stimmt uns alle krisensicher - "Besser Holz als Kohle!"

11:00 Auslaufen bei morgendlichem Thermikwind - der aber bald zusammenbricht. So geht es wieder in den Hafen. Kurz darauf wird der "Brunnwind" "eingeschaltet". Alle wieder raus. Auch SEETEUFEL ist natürlich wieder mit dabei.

4te Wettfahrt , 2-3 Bft : Alle stellen sich für den Backbordstart an - BALMUNG etwas in der Todeszone - SABU knapp darunter. Nach kurzem Wortwechsel zwischen den beiden Steuerleuten, lässt Rikolt BALMUNG nach LEE passieren und erhält dafür im Gegenzug die pole position.

Das Adrenalin wird hochgefahren, die Segel mit Wind geflutet und mit dem Startschuss schießen auch die ranken Zehnerrümpfe wieder über die Startlinie. BALMUNG und SABU fallen wieder wie zwei Streithähne über sich her - Wende um Wende - stets in Schlagdistanz.

SABU läuft jetzt mit der neuen Genua deutlich besser. Es lässt sich bei dieser Wettfahrt nicht festmachen, wo letztlich die Entscheidung herbeigeführt wurde. Bei der Ziellinie hat BALMUNG jedenfalls um 34 Sekunden die Nase vorne und wieder gelingt es CIRCE sich in das kleine Zeitfenster der beiden zu schieben, womit für SABU der Kampf um den 2ten Gesamtplatz zum Thema wird. Eine schwierigere Herausforderung, als man zunächst denkt. Aufgrund der großen Handicap Differenz kann CIRCE jedenfalls nicht taktisch bezwungen werden. Es geht für SABU nur noch mit einer schnellen Zeit und wir schreiten auch sofort zur5ten Wettfahrt. Der Wind pendelt immer wieder, sodass ein Steuerbordstart immer wieder Begünstigung findet. BALMUNG riskiert es als einziger. Mit Backbordschoten kommen SABU vor HEIDERL gefolgt von SEETEUFEL und CIRCE herangerauscht. Der Steuerbordstart misslingt. BALMUNG ist auch etwas zu spät an der Linie und kann sich mit Mühe noch hinter HEIDERL durchschieben. SABU legt eine fehlerfreie Kreuz hin und setzt sich deutlich von den übrigen ab. Bei dieser Wettfahrt scheint sie nicht bezwingbar zu sein und baut den Vorsprung kontinuierlich aus. Doch CIRCE verkörpert immer noch das schwebende Damokles-Schwert in diesem Rennen. Plötzlich wird SEETEUFEL auf der Kreuz von einer Bö umgerissen. BALMUNG und HEIDERL, die gerade in der Nähe sind, überzeugen sich, dass es der Mannschaft gut geht. Das Motorboot ist rasch zur Stelle und hilft professionell beim Aufstellen. Somit bekommt SEETEUFEL zum Geburtstag noch eine "Wolfgangseeer" Taufe verpasst. Für die anderen geht die Wettfahrt weiter und SABU hat einem guten Vorsprung, lässt auch nichts mehr anbrennen und hat somit den Wettfahrtssieg mit einer guten Zeit in der Tasche. CIRCE kommt bei dieser letzten Wettfahrt auf Platz 3 hinter BALMUNG und somit geht der 2te Gesamtrang mit Punktegleichheit, aber zufolge des Wettfahrtssieges an SABU. BALMUNG stand de facto nach 4 gewonnenen Wettfahrssiegen bereits als Klassenmeister fest. Vierter wird HEIDERL vor SEETEUFEL.

Die "10er Latte" gewinnt SABU , da sie bei der 1.Wettfahrt den größten Zeitvorsprung auf den Nächstplatzierten ersegelte. Der Wächter der Klassenflagge bis zur IKM 2013 wird CIRCE, die auch für die weiteste Anreise aus Berlin ausreichend mit Wein versehen wird.

Felix auf SEETEUFEL erhält als jüngster Teilnehmer mit 9 Jahren eine rote Wollhaube, damit er es immer warm hat und wir ihn besser sehen können. Einen kühlen Kopf -ohne Haube- wird weiterhin Alfred, sein Steuermann, behalten müssen.

Einigkeit unter allen Zehnerseglern herrscht darüber, dass wir eine sehr gelungene Veranstaltung an einem der schönsten Plätze Österreichs mit besten Windbedingungen hatten.

Großer Dank an den UYC Wolfgangsee und seine Mitglieder für die herzliche und professionelle Unterstützung im Namen der Klassenvereinigung der 10qm Rennklasse.

Ergebnis

N 40 BALMUNG Artur Vlasaty / Judith Franzmair
N 2 SABU Rikolt v.Gagern / Georg Steinmetzer
N 138 CIRCE Matthias Pechstein / Thomas Körner
N 44 HEIDERL Herbert Huber / Bibi Friedl
N 430 SEETEUFEL Alfred u. Felix Holzer

a.v.